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Cybertraining, Fluch oder Segen?

Ende des Jahres 2017 waren mehr als 10 Mio. Mitglieder in einer der rund 8700 Fitnessanlagen in Deutschland angemeldet. Allein im letzten Jahr erhöhte sich die Mitgliederzahl um ca. 8,1%. Dabei wächst der Discount-Fitnessbereich am intensivsten und umfasst schon über 30 Prozent des Gesamtmarktes. In einer Zeit, in der es für Studiobetreiber immer anspruchsvoller wird die Wünsche der Kunden zu befriedigen und LCD-Leinwände bezahlbar sind, passt das neue Konzept von Cybertraining optimal in die heutige Studiolandschaft.

Mit Cybertraining erhält der Kunde im Studio die Möglichkeit seinen Wunschkurs zeitunabhängig zu absolvieren. Alle Anweisungen erhält der Kursteilnehmer vom digitalen Instructor direkt aus dem Cybernet, also vom Bildschirm. 

Obwohl die Grundidee, sich zu Hause mit Hilfe des Yoga-TV Channel´s ins Gleichgewicht zu bringen oder anhand YouTube-Videos neue Choreografien einzustudieren nicht neu ist, erfährt genau dieses Format derzeit eine hohe Popularität.

Während einige Betreiber noch überlegen ihr bisheriges konventionelles Kursangebot auf Cybertraining umzustellen, haben andere z.B. große Discount-Fitnessketten diesen Schritt bereits getan.

Ein Hauptargument ist sicher die Möglichkeit Personalkosten einzusparen. Schließlich liegen diese bei ca. 27 % der Gesamtkosten eines durchschnittlichen Fitness Studios. Dennoch, auch seitens der Kundschaft ist ein starkes Interesse an Cybertraining vorhanden. 

So konnte festgestellt werden, dass nach Einführung des Cybertraining – Konzepts in einer bekannten Discount-Fitnesskette die Kundenzufriedenheit stark anstieg und das Studio von seinen Mitgliedern insgesamt als „wertiger“ empfunden wurde. An diesem Erfolg nicht ganz unbeteiligt sind prominente Sportler oder bekannte Personal Trainer die in ihrer eigenen Art Cybertraining vom Bildschirm in die Kursräume transportieren und somit eine fast elitäre Atmosphäre schaffen. Was noch vor kurzem nicht vorstellbar war, ist durch einer erhöhten medialen Affinität der vorwiegend jüngeren Kundschaft zum Erfolgskonzept mutiert.

Gerade für Fitnessanlagen in den es vorher kein Kursangebot gab, scheint diesem Konzept aufzugehen. Hier hat diese Maßnahme durchaus zur Kundenbindung beigetragen. Ob sich dieser Trend auch bei Fitnessanlagen durchsetzt die bereits über ein funktionierendes konventionelles Kursangebot verfügen, bleibt abzuwarten.

Für Studiobetreiber solcher Anlagen kann eine zu forsche und euphorische Einführung von Cybertraining auch schnell zum Bumerang werden. Ohne gezielte Kundenbefragungen und Bedarfsanalysen steigt das Risiko die anspruchsvolle zahlungskräftige Kundschaft zu vergraulen die ihren realen Kurstrainer gewöhnt war.

Überzeugender wäre es diese Klientel von Beginn an mit in Entscheidungsprozesse einzubeziehen oder zweigleisige Konzepte anzubieten.

Vorteile von Cybertraining:

  • großes Kursangebot (Kursvarianz)
  • Kurse rund um die Uhr möglich
  • keine Kursausfall oder Koordinierungsaufwand
  • keine Mindesteilnehmerzahl
  • Kursinstructor in der Regel “up to date”
  • keine laufenden Personalkosten

Nachteile von Cybertraining:

  • bauliche Umbaumaßnahmen
  • hoher Anschaffungspreis
  • anfallende Wartungskosten
  • keine individuelle Körperkorrektur
  • keine persönliche Ansprache
  • höhere Eigenmotivation der Teilnehmer ist nötig
  • höherer Verschleiß des Equipments ist wahrscheinlich

Es ist fraglich ob sich Cybertraining bei allen Kursangeboten durchsetzen wird. 
Was in Spinningkursen recht gut zu funktionieren scheint, kann sich bei Technik, Rücken- oder Entspannungkursen als nicht zielführend herausstellen. Hier wird es ohne einen realen Kursinstructor nicht gehen.

Die Instuctoren die ...

  • es versehen ihre Kurse aktiv zu bewerben,
  • den persönlichen Kontakt zu ihren Teilnehmern suchen,
  • im Kurs aktiv moderieren und motivieren,
  • ihre Kurse abwechslungsreich gestalten,
  • individuelle Korrekturen auch während des Kurses durchführen
  • ihren Teilnehmern gezielt Feedback geben,

... werden weiterhin entscheidend zum Erfolg ihrer Studios beitragen und künftig nicht durch Cybertraining zu ersetzen sein. Für alle anderen, die dies bisher nicht für Nötig hielten, wäre ein Umdenken angebracht.

Es wird immer Menschen geben die eine persönliche Betreuung der digitalen vorziehen. Das der Fitnesstrainer auf der Trainingsfläche künftig durch festinstallierte oder portable Monitore zu ersetzen sind, ist derzeit wenig vorstellbar. Dennoch wird es für Kunden zunehmend schwieriger sich an einen kompetenten Trainer im Studio zu wenden, geschweige denn Ihn vorauszusetzen. Hier wird es vermehrt kostenpflichtige Angebote individueller Betreuungsleistung geben. 

Ausgebildete Trainer sind in der Lage diese Leistungen anzubieten und ihre Kunden persönlich und kompetent zu betreuen. Ambitionierte Sportler die Freude haben mit Menschen zu arbeiten, erhalten bei uns die Möglichkeiten, sich durch eine qualifizierte Trainerausbildung in den stetig wachsenden Selbstzahlermarkt erfolgreich zu positionieren.

Masterfitness Germany

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